Der Bau der Langschiffe

Die thorwalschen Schiffe sind Vertreter eines Bautypes der sonst gänzlich unbekannt ist. Sie sind lang, schlank und von einer wunderbaren Konstruktion, die ihresgleichen sucht. Zudem sind sie seetüchtig. Sie setzen sich aus erstaunlich wenigen Teilen zusammen: Kiel, Vordersteven, Heck, Spanten und auf beiden Seiten etwa ein Dutzend Plantengänge.

Aber das wirklich besondere aller thorwalschen Schiffe ist folgendes: Sie werden von außen nach innen gebaut! Bei den 'normalen' Schiffen wird über ein starres Skelett aus Spanten die Außenhaut aus Planken oder Platten. Langschiffe sind anders: Zuerst wird die Außenhaut aus Eichenplanken gefertigt. Dann werden zur Verstärkung die Spanten eingesetzt. Dadurch ist solch ein Schiff leichter und doch widerstandsfähiger als die üblichen Boote. Zudem werden die Planken nicht mit der Säge bearbeitet, sondern mit der Axt. Nicht, daß die Säge unbekannt wäre - das nicht - aber die Axt ist wohl besser geeignet. Auch, weil die Baumstämme in Faserrichtung gespalten werden, so daß die Spannkraft des Holzes optimal erhalten bleibt. Durch das Spalten entstehen dreieckige Segmente, die dann mit der Axt auf eine einheitlich Dicke gebracht werden.

Üblicherweise besteht der Schiffsrumpf eines Langschiffes aus 16 Planken auf jeder Seite. Sie sind so dünn, daß sie von Hand und nicht mit Dampf gebogen werden können. Es wird vom Kiel aus nach oben gearbeitet, so daß sich die Planken überlappen. Dann werden sie am Vorder- und Achtersteven befestigt. Abschließend müssen sie mit geteerten und verdrillten Tierhaaren kalfatert und mit eisernen Rundkopfnieten befestigt werden. So kann sich der Schiffsrumpf bei schweren Seegang verbiegen ohne Wasser durchzulassen...

Nachdem also die 32 Planken des Schiffsrumpfes an Vorder- und Achtersteven festgemacht sind, werden üblicherweise 19 Spanten eingesetzt. Diese sind ebenfalls aus Eichenholz. Aber nach Möglichkeit werden U-förmig gewachsene Astgabeln verwendet, so daß auch hier die Spannkraft des Holzes optimal ausgenutzt wird. Diese Spanten werden jedenfalls mir Tauen - meist aus faserigen Fichtenwurzeln hergestellt - an Aststücke befestigt, die an der Innenseite der Planken stehengelassen werden. Über jede Spante werden Querbalken gezogen. Diese sind mit Winkelhölzern an der Seite verankert. Und damit ist die Seitliche Verstärkung fertig.

Auf die Querbalken werden jetzt nur noch die Decksbalken gelegt. In der Mitte des Rumpfes wird ein 'Kielschwein' befestigt. Das ist ein massiver Eichenblock in dem der Mast eingesetzt werden kann. Dieses Kielschwein wird durch einen zweiten noch größeren Block verstärkt, der aufgrund seiner Form 'Fisch' genannt wird. Dazu stehen auf dem Deck 3 hohe Gabelstützen, auf denen die Rah, die Segel und die Spieren ablegt werden, wenn das Schiff gerudert wird.

Am Heck ist der Steuerriemen, also das Steuerruder, befestigt. Dieser Riemen wird an einem weiterem Block, dem sogenannten Zapfen befestigt. Jetzt fehlen nur noch die Bodenbretter und die Bohrungen für die Ruder. Diese Bohrungen können selbstverständlich verschlossen werden...

Die Ruder sind unterschiedlich lang - für die Ruderer in der Schiffsmitte werden kürzere benötigt, als für die höher sitzenden im Bug. Die Länge schwankt daher zwischen 5 und 6 Meter.

Zeichnung

Querschnitt

Solch ein Schiff hat daher bei einer Länge von knapp 23 Meter, ungefähr 4,5 Meter Breite und knapp 2 Meter Höhe (zwischen Kiel und Bordrand gemessen) nur circa 20 Tonnen scher und hat einen Tiefgang von weniger als einen Meter. Gleichzeitig kann es Geschwindigkeiten von bis zu 11 Knoten erreichen. Gerudert liegt die Spitzengeschwindigkeit bei ungefähr 7 Knoten. Das alles bedeutet, daß es an einem Tag manchmal 400 Kilometer zurückgelegen werden können! Dazu ist es möglich durch den geringen Tiefgang das Schiff mittels Holzrollen vollständig an Land zu hohlen oder es über eine Landzunge zu ziehen.

Dies alles können sehr große Vorteile für Piraten darstellen, aber weniger für Händler. Eine Kogge ist wesentlich langsamer, kann aber mehr transportieren. Daher werden zum Transport keine normalen Langschiffe eingesetzt, sondern sogenannte Knorre. Diese sind den Langschiffen ähnlich. Doch sie sind breiter und kürzer, der Bordrand ist höher. Dadurch werden sie langsamer aber haben mehr Platz für die Ladung...

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